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Was ist los mit dem China Garten? Haben die Zürcher die Freude an exotischer Poesie, am Charme geschwungener Dächer, spiegelnder Teiche, anmutiger Pavillons, an Ruhe und Harmonie verloren?

Mögen sie auch kein wahrhaft echtes Chinesen-Essen mehr? Jedenfalls spazierten Margrith Sengupta und ich an einem strahlenden Frühlingstag fast allein über die verschlungenen Wege des wunderhübschen Tempelgartens und auch im kleinen Gartenrestaurant blieben wir die einzigen Gäste.

Wirklich schade, denn das Essen, im Wok zubereitet von einem Koch aus Quingdao (aus Tsingdao kommt auch das bekannte Bier), schmeckte vorzüglich. Eben genau so, wie in einem einfachen Lokal irgendwo zwischen Peking und Schanghai. Serviert wird in einfachen Pappbechern, wobei die Auswahl erstaunlich gross ist: Poulet, Schweinefleisch, Rindfleisch, Ente oder Crevetten, viel delikat gewürztes Gemüse und Reis oder auch Frühlingsrollen, Nudeln, Suppe etc. Ich fühlte mich in den Park des Pekinger Sommerpalastes versetzt, genoss die traditionellen vier Schönheiten einer chinesischen Landschaft, das sind Pflanzen, Wasser, Felsen und Wolken, schlürfte Wein und vermisste einzig die fröhlich-plappernden  Kinderscharen, die im fernen Peking ebenfalls mit Stäbchen aus Pappschachteln Reis und Ente picken. 

Liebe Züricher, es muss doch nicht immer Bratwurst sein, kommt in den China Garten und geniesst zur Abwechslung globale Freuden.
 

Charlotte Peter
Mai 2011 kurz vor Abreise zu ihrer Chinareise vom 25.5.2011