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Privatreise 2011 - China mit heiligen Bergen und Mongolen

Die Grosse Mauer, der Palast des letzten Kaisers, das Qin Grab mit den Tonsoldaten, die Jangtse Schluchten und die Skyline von Shanghai habt ihr Reisefans sicher schon gesehen, doch das alte, neu auferstandene Reich der Mitte hat noch sehr viel mehr zu bieten.

So starteten wir in diesem Mai in Hohot, der Hauptstadt der Inneren Mongolei und besichtigten als Einstieg das grosszügig angelegte Grab einer kaiserlichen Konkubine, den Fünf Pagoden Tempel und eine Moschee, alles bestens gepflegt und alles voller chinesischer Besucherscharen. Man sieht: das Land boomt, man hat Geld für aufwendige Restaurierungen und Geld für Reisen und man ist stolz auf  die eigene Kultur. 

Eine erste Überraschung dann der Meidaizho Palasttempel, denn hier begann die Geschichte der Dalai Lamas. Im Jahre 1578 verlieh der im Meidaizho regierende Altai Khan dem Abt des tibetischen Drepung Klosters Sonam Gyatso den Titel Dalai Lama, worauf dieser seine beiden Vorgänger posthum ebenfalls zu Dalai Lamas ernannte. Gleichzeitig erhielt die Gelbmützenschule tatkräftige Unterstützung durch die Mongolen und konnte so ihre Stellung gegenüber anderen lamaistischen Schulen stärken. Etwas  dubios dagegen die Tatsache, dass der Enkel des Altan Khan als vierter Dalai Lama entdeckt wurde und bis zu seinem 16. Lebensjahr im Meidaizho Palast lebte. Wir durften alles anschauen, den mit Fresken geschmückten Tempel, den Palast der Fürstinnen, das Bett, in dem der 3. Dalai Lama schlief und schliesslich, ganz in der Nähe das lamaistische Wudangzhao Kloster für Leute, die nie in Lhasa waren, eine gute Gelegenheit ganz ohne Probleme mit dem Höhenklima  authentische Tibeter Kultur zu erleben. 

Aufs gewichtige Kulturprogramm folgte ein Natur Erlebnis der Sonderklasse. Wir fuhren zu den klingenden Sanddünen von Xiangshawan und amüsierten uns dort gemeinsam mit einigen Tausend Chinesen mit Seilbahn- und Sandmobil Fahrten, auf Rutschbahnen und an Souvenirständen. Bald aber holte uns die Historie wieder ein. In Dongsheng wartete das Dschingis Khan Mausoleum, eine weitläufige Parkanlage mit Terrassen, pompösem Denkmal, vielen Treppen und einem Museum. Zugegeben, der grosse Mongolenherrscher, der im Westen verteufelt und im Osten verherrlicht wird, liegt hier wohl kaum begraben, doch wie die Italiener sagen: si non e vero e ben trovato. Erstaunlich: hinter den Museumsräumen gibt es einen Ahnentempel, wo Nachkommen von Dschingis Khan – es gibt deren viele –noch heute ihrem berühmten Ahnen Opfergaben darbringen. Bezahlt übrigens hat die ganze pompöse Gedenkstätte inklusive Ahnentempel die Volksrepublik China.

Anschliessend war eine Besichtigung der Geisterstadt Kangbashi vorgesehen, geplant für  300 000 Menschen und bewohnt von gerade mal 5000 Pionieren. Ein wahres Wunderwerk, gebaut von Stararchitekten, geschmückt mit riesenhaften Bronze Skulpturen, der weltgrössten Springbrunnen Anlage und verblüffenden Perspektiven. Dumm nur, dass Kangbashi gerade mal  für Besucher gesperrt war und dass unsere tüchtige Reiseleiterin Li alle Energie und allen Charme aufwenden musste, damit wir endlich  mit einer Polizeieskorte doch eingelassen wurden. Und wieder eine Überraschung: die Geisterstadt ist ein florierendes Spekulationsobjekt. Auch die zahlreichen leer stehenden Wohnungen sind  ausnahmslos verkauft, denn der neue chinesische Mittelstand übt sich mit wahrer Leidenschaft in kapitalistischen Spielchen. 

Gelb ist die Farbe des Kaisers, Gelb ist die Farbe des Buddhismus und Gelb ist die Farbe der dramatischen Lösslandschaft am Gelben Fluss, wo ganze Wohnanlagen ins weiche Gestein gegraben wurden. Wir besuchten eine Höhlenbewohner Familie, die mit dem Anpflanzen von Tee ihr Auskommen findet  und natürlich auch das Revolutionsmuseum und die Höhlen, in die sich Mao während des Langen Marsches mit seinen Getreuen zurückgezogen hat. Heute ein wahrer Pilger Ort mit allem was dazugehört: Mao Büsten, Fahnen, rotem Büchlein, Picknick Plätzen, Imbiss-Ständen usw. Da  gerade Kindertag war, gab’s zudem ganze Scharen junger Pioniere, alle mit rotem Halstuch und alle fröhlich. Drei Mädchen sangen für uns sogar ein Lied.

Auf Mao folgte ein Sprung 5000 Jahren zurück zum Gelben Kaiser Huang Di. Er soll um 2670 vor unserer Zeitrechnung gelebt haben und die chinesische Kultur samt Reisanbau und Seidenzucht begründet haben. Wir bewunderten seine Stiefel und sein Schwert und erfreuten uns an einer kleinen Zeremonie vor einem Tempel aus der Ming Zeit.

Totaler Wechsel in Xian, wo wir auf die so genannte klassische Touristenroute stiessen und uns neben der Grabanlage von Qin Shi Huang Di mit den weltberühmten Tonsoldaten, der Grossen Wildgans Pagode, dem Museum, der Moschee und dem Muslim Bazar auch die Tang Show anschauten. Als kleines Extra zeigte uns der christliche Reiseleiter zudem noch die katholische Kathedrale, sang ein Kirchenlied und fühlte sich auch noch bemüssigt, den Buddhismus zu erklären. Die Buddhisten wären nicht religiös, meinte er, sie würden höchstens dann in die Tempel gehen, wenn sie etwas brauchten. Ein Unsinn, der auf unserer Weiterreise mit Eclat widerlegt wurde. Zuerst allerdings machten wir noch einen Stopp auf dem Wudang Shan, dem Berg der Mysterien. Der neue Reiseleiter nannte die Zahlen: 400 Quadratkilometer, 72 Gipfel, 36 bizarre Felsen, 24 Täler, dazu Dutzende von Tempeln, Palästen, Klöstern, Brücken, Toren, Höhlen und Einsiedeleien. Entscheidend für uns jedoch war etwas anderes. Der Wudang Shan ist ein hochwichtiges Heiligtum der Taoisten, Ziel für Pilger und taoistische Gelehrte aus aller Welt und Zentrum der neben Shaolin bedeutendsten Kung Fu Schule. Wir wohnten in einem Gästehaus auf halber Höhe und mussten uns den echt feuervergoldeten Tianzhou Bergtempel erst einmal verdienen. Der Weg führt über schier endlose Treppen einer steilen Felswand entlang und war so gedrängt voller Besucher, dass nur ein langsames Vorwärtskommen möglich war. Umso grösser die Freude, als wir wohlbehalten beim glitzernden Heiligtum ankamen, einen schnellen Blick auf die Kultfigur werfen durften und dann lange die Aussicht bewundern konnten.  Hundert Tempel, Paläste und Klöster sollen hier auf Befehl des Yongle Kaisers von 200 000 Soldaten und Handwerkern erbaut worden sein. Wir besuchten wenigstens den bestens erhaltenen Purpurwolken Palast und den romantisch gelegenen Steinpalast und beschlossen den Tag bei einer Kung Fu Demonstration durch taoistische Mönche. Im Gegensatz zur bekannteren Shaolin Kung Fu Schule, wirkt die Wudong Shan Kampfkunst weniger dramatisch, dafür meditativer, ritueller, manchmal fast tänzerisch.  Man hätte bleiben können und vielleicht sogar in einem zwei Wegstunden entfernten Kloster bei einem Deutschen Taoisten einen Kurs in fernöstlicher Kampfkunst buchen, dies für 500 Euro im Monat, inklusive vegetarischer Kost und Unterkunft in Schlafsälen.

Wir zogen es vor, nach Changsha weiter zu reisen, wo eine sehr besondere Tempelanlage wartete. Ihre Ehrentore, Vorhallen und Tempel sind auf drei Achsen angelegt, die linke Achse ist buddhistisch, die rechte Achse taoistisch und die mittlere Achse verbindet beide Religionen. So kann das wichtigste Kultbild sowohl als Boddhisatva als auch als taoistischer Unsterblicher gedeutet werden. Nun bitte nachdenken: Wie wäre es mit einem Kultbau in der Schweiz, der gleichzeitig als Kirche und Moschee genutzt werden könnte? 

Es folgten ein kurzer Flug nach Hefei sowie der Transfer zu einem weiteren heiligen Berg.  Auf dem Jiuhua Shan sollen einst 5000 Mönche gelebt haben, heute sind es immerhin noch etwas mehr als Tausend, verteilt auf 56 Klöster und besucht von Zehntausenden von Pilgern und Wanderfreunden. Wir schlossen uns dem bunten Treiben an, nahmen teil an Zeremonien, stifteten einige Yuan und kriegten dafür unsere Namen auf einer Sponsorentafel eingeritzt, liessen uns als einzige Westerner fotografieren und genossen auf einer kleinen Wanderung den Zauber chinesischer Landschaften.

Noch eine kurze Zugfahrt und wir waren in Shanghai, der Stadt, in der die Zukunft schon begonnen hat. In nur 20 Jahren entstanden in Pudong mehr Wolkenkratzer als Chicago zählt, die Architekten dürfen sich austoben, in den Strassen dominiert eine optimistische, konsumsüchtige, fröhliche Jugend, das Shanghai Museum präsentiert 5000 Jahre chinesischer Kultur, wohlgemerkt die einzige antike Kultur, die überlebt  hat und am Abend spielte in der Show Art on Ice der berühmte Pianist Lang Lang. 

Eigentlich ein grossartiger Abschluss, doch ein reiselustiges Ehepaar aus der Gruppe wollte noch mehr und so flogen wir in die Porzellanstadt Jingdezhen. Schon vor Tausend Jahren wurde hier für den Kaiserhof feinstes Porzellan gefertigt. Dabei mussten von jeder gewünschten Vase oder Schüssel 500 oder gar 1000 Stück gefertigt  werden, dann kamen  Experten aus Peking, wählten das vollkommenste Stück und liessen alle anderen Stücke zerschlagen. Niemand sollte eine gleiche Vase wie der Kaiser besitzen. Der Kilon von einst wurde sorgfältig restauriert und ist wieder in Betrieb. Wir hatten sogar das Glück, am Tag der Öffnung des Brennofens dabei zu sein und wenigstens einen Teil der damit verbundenen Zeremonie zu erleben, dies natürlich mit Reden, Löwentanz und Trommeln. Unnötig beizufügen, dass unser Gepäck in Jingdezhen um einiges schwerer wurde. 

Dreieinhalb Wochen lang hatten wir Wetterglück, doch dann in den Huang Shan erreichte uns der Regen. Schon in den beiden gut erhaltenen Museumsdörfern Xi Di und Hong brauchten wir Regenschirme um durch die engen Gassen zu wandern, weshalb wir gerne länger in den alten Handelshäusern, den Ahnentempeln, Schulen und Souvenirläden verweilten. Ein Stück originales altes China, wie man es in den Grosstädten kaum mehr findet. 

Regenreich dann auch der Besuch der Huang Shan, von den Chinesen als schönste Berge der Welt gepriesen.  Wir liessen uns in gelbe Plastikklamotten verpacken, so dass wir kaum mehr von den Einheimischen zu unterscheiden waren, fuhren mit der neuen Seilbahn hoch, wanderten durch Pinienwälder von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt und bewunderten die vier Schönheiten die Landschaften aufweisen sollen: Vegetation, Felsen, Wasser und Wolken. Blauer Himmel und Sonnenschein sind dagegen nicht gefragt und wirklich, das ständige  Wechselspiel von Wolken, in dem bizarre Bergformationen auftauchten und wieder verschwanden war überaus reizvoll und malerisch. Wir erlebten die Gelben Berge wie sie die chinesischen Maler lieben und waren zufrieden.

Letzte Station war Hangzhou, eine Touristen Hochburg, die auch in Europa bekannt ist und von der gesagt wird:  Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden Hangzhou. So absolvierten wir das obligate Programm mit Bootfahrt auf dem Westsee, neuerdings mit lautlosen Booten, Teeplantage, wo der Drachenbrunnentee erfunden wurde, grosser Pagode, einem der vielen Tempel und wunderschöner Show am See, choreographiert von Zhang Yimon, der auch die Eröffnung der Olympiade in Beijing choreographiert hat. Gezeigt wurde die Geschichte der Weissen Schlange, dies nicht sakral wie in der Peking Oper, sondern durch einen fantastischen surrealistischen Bühnenzauber ins Imaginäre gesteigert. Ein grandioser Abschied.